
Seit dem 5. Dezember steht fest, die Bausubstanz der Mühlentorbrücke hat sich dermaßen verschlechtert, dass eine Sperrung unausweichlich war. Das, was ab dem Herbst kommenden Jahres geplant war, mit Sperrung und Sanierung der Brücke, ist jetzt eine unausweichliche Tatsache.
In unserer Haushaltsrede im November 2025 hatten wir das Brückendesaster bereits thematisiert. Unser stellvertretender Fraktionsvorsitzender Markus Stappen sagte: „Zu viele Fehler in der Vergangenheit haben dazu geführt, dass die meisten Brücken in der Altstadt marode sind. Gebaut vor über 100 Jahren, halten diese den Lasten von steigendem Autoverkehr und schweren LKW kaum noch stand.“
Und weiter: „Planungen für den Neubau und Sanierungsarbeiten dauern leider viel zu lange. Am Beispiel der Marienbrücke zeigt sich, dass diese mindestens 12 Jahre dauern. Wie kann es sein, dass Lübeck es nicht schafft, Stellen für Brückenbauingenieure zu besetzen? In 12 Jahren verbessert sich der Zustand der Brücke eher nicht.“
Die Leiterin der Abteilung Brückenbau, Ulrike Schölkopf, sagte in einem Interview im April 2025, dass nicht nur die Finanzen ein Problem darstellen, sondern das darüber hinaus die Personalnot in der Abteilung mit verantwortlich ist. Zwei von fünf Stellen für Brückenbauingenieure sind seit längerer Zeit unbesetzt, eine Stelle seit über drei Jahren.
Aber, Frau Schölkopf betonte auch, dass „grundsätzlich alle Lübecker Brücken sicher sind.“
Seit den frühen Morgenstunden des 5. Dezembers wissen wir, dass dies nicht mehr der Fall ist.
Verkehrsbrücken halten in der Regel 80 bis 100 Jahre. Die Praxis der vergangenen Jahre zeigt allerdings, dass häufig schon nach 40 bis 70 Jahren Sanierungen notwendig sind. Hohe Verkehrsbelastungen, Korrosion durch Streusalz und die tagtägliche Abnutzung fordern ihren Tribut. Wie gut, dass unsere Brücken regelmäßig überprüft werden.
So oder so, die Haltbarkeit der Brücken ist klar definiert. Der Sanierungsbedarf oder sogar Bedarf von Neubauten ist eine Tatsache mit jahrelanger vorheriger Ansage. Es liegt in der Verantwortung der Kommune, vorausschauend zu agieren und sich nicht in einen augenscheinlichen Dornröschenschlaf zu begeben.
Zu viele Jahre sind Maßnahmen aufgeschoben worden. Und es ist leider aktueller denn je, dass unsere Fraktion bereits im Jahr 2024 mahnte: „Dresden ist überall!“
